Manchmal Heimweh nach dem Saarland

RSG-Athletin Daniela Huber im Portrait.

Daniela Huber ist Saarländerin. Die 17-Jährige wurde in Neunkirchen geboren, lebt allerdings schon seit September 2013 in Fellbach-Schmiden bei Stuttgart, ihre Eltern nach wie vor in Saarwellingen. Den Weg aus ihrer Heimat hat sie früh und sehr jung angetreten. Bereits im Alter von elf Jahren zog Daniela von zu Hause weg, um sich voll auf die Schule und ihre sportliche Laufbahn zu konzentrieren. In Fellbach-Schmiden befindet sich nämlich das Nationalmannschaftszentrum Rhythmische Sportgymnastik samt Internat.

„Das erste Jahr war ganz schlimm“, erinnert sich Daniela an die erste Zeit in Baden-Württemberg: „Ich hatte Heimweh und fast jeden Tag geweint. Es hat bestimmt ein Jahr gedauert, bis sich das gebessert hatte. Heimweh habe ich zwar immer noch, aber mittlerweile hat es sich eingependelt.“ Viel Zeit für Heimweh bleibt ohnehin nicht. Nur einen Tag pro Woche hat sie frei – meistens sonntags. Das macht es schwierig, am Wochenende nach Hause zu fahren. „Meine Mama kommt mich dafür in letzter Zeit öfter besuchen“, sagt sie.

Daniela weiß allerdings, wofür sie die Entbehrungen auf sich nimmt. Sie hat ein bestimmtes Ziel fest im Blick: Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.  „Ich bin ganz zufrieden, wie es gelaufen ist. Ich habe hier die Unterstützung von allen Seiten“, erklärt die Saarländerin, die vor Ort mit ihren Nationalmannschafts-Kolleginnen trainiert. Die sind einerseits Kolleginnen, aber mittlerweile auch Freundinnen geworden. Zusammen mit ihnen feierte sie bei der Weltmeisterschaft im Sommer 2018 in Sofia (Bulgarien) den jüngsten Erfolg: Im Vergleich zur WM 2017 hat sich das Team um zwei Plätze auf Rang zwölf verbessert. „Jetzt hoffen wir, dass es nächstes Jahr mit der Olympia-Qualifikation klappt. Dafür müssen wir unter die besten Neun kommen“, weiß die 17-Jährige.

Zur Rhythmischen Sportgymnastik kam sie auf kuriose Art und Weise: „Meine Eltern haben damals einen Zeitungsartikel gelesen und wurden darauf aufmerksam. Wir sind dann zum Training gefahren und spätere meine spätere Trainerin sagte: ‚Aus ihr kann mal was werden.‘ Und so fing alles an“, erinnert sie sich und stellt klar: „Es hat mir von Anfang an gefallen.“ Trainerin Galina Ellert war es, die ihr Talent entdeckte und sie zum TV Rehlingen lockte. Der Saarbrücker Zeitung sagte Ellert einmal: „Eine Athletin mit ihrem Potenzial hatten wir hier noch nie. Ich habe es erkannt, als sie das erste Mal durch die Tür kam.“ In Rehlingen lernte Daniela ihre Vorbilder Mira Bimperling und Cathrin Puhl kennen. Auch sie wechselten einst nach Schmiden. „Damals hatte jeder über die beiden gesprochen und dass sie zur Nationalmannschaft gehörten und zu Europa- und Weltmeisterschaften fahren durften. Das hat mich motiviert, weiterzumachen“, berichtet Daniela und ergänzt: „2012 waren sie ja auch bei den Olympischen Spielen in London dabei.“

Wie sie ihre eigenen Olympia-Chancen anderthalb Jahre vor den Spielen in Tokio einschätzt? „Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube wir sind auf einem ganz guten Weg“, meint sie zuversichtlich. Das gilt auch für ihre schulische Ausbildung. Trotz Leistungssport auf internationalem Top-Niveau will Daniela

2021 ihr Abitur schaffen. Eigentlich wäre sie schon 2020 dran, aber wegen ihres großen Zieles Olympia wird sie sich ein Jahr lang auf das Training konzentrieren und schulisch pausieren. „Nach Olympia will ich dann wieder nach Hause“, sagt sie und lacht.