Eine leidenschaftliche Leichtathletin

Nicole Nicoleitzik hat noch viel vor. Sie hat Ataxie, was sich auf feinmotorische Fähigkeiten auswirkt und Gleichgewichtsstörungen nach sich zieht. Trotzdem hat die leidenschaftliche Leichtathletin ein großes Ziel: die Teilnahme an den paralympischen Spielen 2020 in Tokio.

Nach langen Wochen, in denen sie immer wieder unter Infektionskrankheiten litt, konnte Nicoleitzik seit Anfang März wieder regelmäßig trainieren. „Meine Leistungen haben sich seitdem wieder verbessert“, sagt sie zu ihrem Fitnessstand. Richtig fit sein will sie bei der Europameisterschaft Ende August in Berlin. „Das ist für mich der wichtigste Wettkampf in diesem Jahr. Da möchte ich gerne teilnehmen und Erfolg haben“, sagt sie. Das nächste große Ziel hat sie auch schon im Blick – auch, wenn es bis dorthin noch eine Weile dauert. „Mein großes Ziel ist es, an den Paralympics 2020 in Tokio teilzunehmen und vielleicht sogar in die Fußstapfen meiner großen Schwester Claudia zu treten“, sagt Nicole, deren ältere, ebenfalls an Ataxie erkrankte Schwester Claudia ihre überaus erfolgreiche sportliche Karriere 2017 beendete.

Beide Schwestern nahmen 2016 gemeinsam an den Paralympics in Rio de Janeiro teil. Nicole startete dort in der Klasse TF 38 über die 100 Meter und beim Weitsprung. Im März 2018 wurde Nicole neu klassifiziert und kam in die Startklasse 36, wo sie sich erst noch einen Überblick über ihre Konkurrentinnen verschaffen muss. „Ich sehe Claudia schon als Vorbild und Ansporn. Das gibt mir Kraft, weiterzumachen, auch wenn es mal nicht so gut klappt“, erklärt die jüngere Schwester, die aber auch zugeben muss: „Manchmal haben wir schon kleinere Streitigkeiten. Aber das ist unter Geschwistern ja normal. Ansonsten verstehen wir uns blendend.“

Auch Nicole Nicoleitzik hat trotz ihrer erst 22 Jahre schon Erfahrungen und Erfolge gesammelt. „Unzählige Male“ hat sie schon an Junioren-Weltmeisterschaften teilgenommen. 2012 durfte sie schon im paralympischen Jugendlager etwas Paralympics-Luft schnuppern. „Das fand ich supertoll. Vor allem die Eröffnungs- und Abschlussfeier mitzuerleben“, erinnert sich Nicoleitzik: „Damals hatte ich mir das Ziel gesetzt, alles zu versuchen, um selbst mal an den Paralympics teilzunehmen. Auch, wenn es schwierig werden würde. Wie man sieht, hat es ja geklappt.“ 

Das Gefühl, ganz oben auf dem Siegertreppchen zu stehen, kennt sie auch schon. Vor vier Jahren wurde sie Weitsprung-Weltmeisterin bei den Juniorinnen und gewann auch mit der 4x100 Meter Staffel die Goldmedaille. Ihren persönlich wichtigsten Erfolg feierte sie allerdings bei der Junioren-WM 2013 in Puerto Rico. „Das waren meine ersten Weltmeisterschaften und ich habe auf Anhieb über die 100 Meter, 200 Meter und im Weitsprung Bronze geholt“, berichtet sie hörbar stolz: „Das kam total unerwartet.“

Die Motivation für die tägliche Arbeit im Beruf und im Sport zieht Nicole Nicoleitzik aus ihrer Trainingsgruppe und den Zielen, die sie sich steckt. „Wenn ich mein Ziel nicht erreicht habe, bin ich im ersten Moment etwas deprimiert. Aber dann fühle ich mich angestachelt, um es beim nächsten Mal besser zu machen“, erklärt die 22-Jährige. Bleibt ihr zu wünschen, dass sie sich diesen Wunsch in Tokio 2020 erfüllen kann.

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